Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

An der bewegenden Gedenkfeier am Südfriedhof anlässlich des Volkstrauertages waren auch in diesem Jahr wieder Elly-Heuss-Schülerinnen und -Schüler mit Text- und Musikbeiträgen beteiligt. Oberbürgermeister Sven Gerich, weitere Vertreter der Landeshauptstadt, der Bundeswehr und der US-Streitkräfte waren außerdem zugegen.

 

Nach einer musikalischen Eröffnung durch das Hessische Polizeiorchester führte Oberbürgermeister Sven Gerich in seiner Gedenkrede die immense Bedeutung des Erinnerns und Gedenkens den Anwesenden vor Augen. Auch wenn das Trauern und Gedenken nicht auf einen Tag zu beschränken sei, gebe es mit dem Erinnern und Mahnen die Möglichkeit, bloße Zahlen – von Millionen von Opfern – begreifbar zu machen als unfassbare Schicksale von vielen Einzelnen.

 

Mit einem Choral und einer Sarabande von Händel leitete das Blechbläserensemble der Elly-Heuss-Schule mit ausgewogenem Klang sensibel zu den folgenden Wortbeiträgen von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe über.

 

Carena Hüfner und Chiara Fumero begannen ihre Ausführungen mit einem Zitat von Gerald Dunkel: „Nach jedem Krieg fragen die Menschen, wozu er gut war. Warum stellen sie diese Frage nicht schon vorher?“ Sie trugen im Folgenden vor, nach welchen Werten ein Mensch zu streben habe, wenngleich Vergangenheit und Gegenwart offenbarten, dass das Bemühen, ebendiese Werte zu erreichen, nicht genügend gelänge. Zu Ehren der anwesenden Vertreter des US Army formulierten sie ihre Gedanken teilweise auf Englisch, folgerten „A great war?“ – „Nobody gets great through a war.“

 

Auch Fin Welkenbach und Moritz Wimmer verneigten sich mit ihrer in Auszügen auf Englisch dargebrachten Rede vor den US-amerikanischen Anwesenden. In ihren Gedanken zum Thema Krieg brachten sie zum Ausdruck, dass sie, die selbst niemals direkte Kriegserfahrungen hatten machen müssen, trotzdem es als Aufgabe ihrer Generation begreifen wollen, nicht nur dankbar zu sein für das Leben in stabilem Frieden, sondern auch die positiven Errungenschaften der früheren Generationen bewahren und verbreiten wollen. Sie verstehen den Volkstrauertag als Mahnung zum Frieden – als eine hochaktuelle Mahnung.

 

Maria Fanshil und Niclas Lehr entwickelten – abermals zweisprachig englisch/deutsch – einen Dialog zwischen Fatima, einem Flüchtlingsmädchen, und Stephan, einem deutschen Jungen. In ihrem Dialog stellten sie dar, wie sich Stephan und Fatima kennenlernen, sich dabei annähern, Vorurteile abbauen und verstehen lernen und sich schließlich befreunden.

 

Die abschließenden Worte trugen Albiona Avdyli und Chiara Fach vor. Sie legten ihr ganzes Mitgefühl, ihre mitleidende Trauer für alle diejenigen, die im Krieg und den Konflikten der Welt Angehörige oder Freunde verloren haben, in ihre Ausführungen, versicherten, mit ihnen zu trauern, „um ihnen Kraft und Mut zu geben in einer Zeit der Aussichtslosigkeit und Erdrückung durch Trauer“ – um dann gemeinsam auf eine Zukunft geprägt von Zusammenhalt, Frieden und Liebe zu hoffen, dabei Thornton Wilder zitierend: „Da ist ein Land der Lebenden und da ist ein Land der Toten; als Brücke dazwischen ist unsere Liebe.“

 

In ihrer Funktion als Vorsitzende des Kreisverbands des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge sprach Stadträtin Rose-Lore Scholz das Totengedenken, erinnerte dabei an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft heute wie damals in den vergangenen Weltkriegen und während des NS-Diktatur.

 

Als Vertretung für die Stadt Wiesbaden legten Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel und Oberbürgermeister Sven Gerich sowie Rose-Lore Scholz ebenso wie Repräsentanten der Bundeswehr, der US-Army und dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge Kränze nieder. Das Hessische Polizeiorchester beschloss musikalisch die Gedenkfeierlichkeiten.

 

Der anschließende Trauerzug folgte zu den Grabfeldern der Opfer des Krieges unter der Zivilbevölkerung und den Zwangsarbeitern sowie zu den Grabfeldern der Opfer der Euthanasie und der Konzentrationslager. An beiden Grabfeldern sprach Dr. Holger Behr, Vorsitzender der Humanistischen Gemeinschaft Wiesbaden, eindringliche Worte des Erinnerns. Er erinnerte an die unfassbaren Zahlen von Kriegsopfern, Zahlen von Abermillionen Opfern, nicht nur während der Weltkriege und während der NS-Gewaltherrschaft, sondern auch an die Abermillionen Opfer seither bis zum heutigen Tag – Zahlen, hinter denen sich unfassbare Tragödien einzelner Personen und Schicksale verbergen, Tragödien von  Menschen, die, selbst wenn sie überlebt hatten, zeitlebens traumatisiert und gebrochen waren. Er betonte, dass es keine kollektive Schuld oder Unschuld gebe, sondern sprach von der Schuld vieler Einzelner, die ungeheure Ausmaße annahm. Und er folgerte, dass es eben keine abschließende Vergangenheitsbewältigung geben könne: Man kann die Vergangenheit nicht einfach bewältigen, man muss mit ihr leben, muss daraus lernen und darf eben nicht vergessen, dabei Hannah Arendt zitierend: „Das höchste, was man erreichen kann, ist zu wissen und auszuhalten, dass es so und nicht anders gewesen ist, und dann zu sehen und abzuwarten, was sich daraus ergibt.“

ub

 

siehe auch Wiesbadener Kurier Volkstrauertag

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