Die Beziehungen Deutschlands zu den ehemaligen Kolonien
- 9. Februar 2026
Im Rahmen der Unterrichtsreihe zum europäischen Imperialismus und deutschen Kolonialismus hatten die Q2-Geschichtsgrundkurse von Frau Goedecker und Herrn Wortmann am Donnerstag die Möglichkeit, einen ganz besonderen Vortrag zu erleben.
Dr. Isack Majura, geboren in Tansania und seit seinem 25. Lebensjahr im Rhein-Main-Gebiet wohnend, gewährte den Oberstufenschülerinnen und ‑schülern Einblicke in das Leben in seinem Herkunftsland, das von 1885 bis 1918 gemeinsam mit Burundi, Ruanda und Teilen Mosambiks die deutsche Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ bildete.
Majuras Vortrag über die Hintergründe der Sklaverei, über die Aufteilung des afrikanischen Kontinents zwischen den europäischen Großmächten im 19. Jahrhundert und die Praktiken der deutschen Fremdherrscher in „Deutsch-Ostafrika“ wurde von persönlichen Anekdoten und Schilderungen über seine eigene Schulzeit im zu diesem Zeitpunkt unter britischer Herrschaft stehenden nördlichen Tansania begleitet. Einen besonderen Schwerpunkt legte Majura auf die antikolonialen Widerstandsbewegungen und den von den deutschen „Schutztruppen“ niedergeschlagenen Maji-Maji-Aufstand zwischen 1905 und 1907, bei dem etwa 200.000 bis 300.000 Tansanier getötet wurden.
Im Rahmen seiner Doktorarbeit forschte Majura in den 1970er Jahren im südlichen Tansania zur Geschichte und den Folgen dieses Aufstands und brachte für seinen Vortrag an der Elly-Heuss-Schule persönliche Gegenstände aus diesen Gebieten mit.
Besonders der Kontrast zwischen den geschilderten Lebens- und Schulrealitäten in Majuras Kindheit und denen unserer Elly-Schülerinnen und ‑schüler war eindrücklich. Ein 25-Kilometer-Schulweg, der zweimal am Tag zu Fuß bewältigt werden musste, sowie der von Gewalt und Erniedrigung durch Lehrkräfte geprägte Schulalltag waren nur einige der persönlichen Einblicke, die die Q2-Kursmitglieder erhielten.
Die Frage nach dem heutigen individuellen wie politischen Umgang mit dem kolonialen Erbe zwischen Deutschland und Tansania erörterte Majura im Anschluss an den Vortrag mit einigen Kursmitgliedern – eine spannende und hochaktuelle Diskussion, die auch aufgrund fortschreitender Aufarbeitung der Kolonialgeschichte immer mehr Beachtung findet.
Bericht: Jonas Wortmann


