Die Beziehungen Deutschlands zu den ehemaligen Kolonien

Im Rah­men der Unter­richts­rei­he zum euro­päi­schen Impe­ria­lis­mus und deut­schen Kolo­nia­lis­mus hat­ten die Q2-Geschichts­grund­kur­se von Frau Goe­de­cker und Herrn Wort­mann am Don­ners­tag die Mög­lich­keit, einen ganz beson­de­ren Vor­trag zu erleben.

Dr. Isack Maju­ra, gebo­ren in Tan­sa­nia und seit sei­nem 25. Lebens­jahr im Rhein-Main-Gebiet woh­nend, gewähr­te den Ober­stu­fen­schü­le­rin­nen und ‑schü­lern Ein­bli­cke in das Leben in sei­nem Her­kunfts­land, das von 1885 bis 1918 gemein­sam mit Burun­di, Ruan­da und Tei­len Mosam­biks die deut­sche Kolo­nie „Deutsch-Ost­afri­ka“ bildete.

Maju­ras Vor­trag über die Hin­ter­grün­de der Skla­ve­rei, über die Auf­tei­lung des afri­ka­ni­schen Kon­ti­nents zwi­schen den euro­päi­schen Groß­mäch­ten im 19. Jahr­hun­dert und die Prak­ti­ken der deut­schen Fremd­herr­scher in „Deutsch-Ost­afri­ka“ wur­de von per­sön­li­chen Anek­do­ten und Schil­de­run­gen über sei­ne eige­ne Schul­zeit im zu die­sem Zeit­punkt unter bri­ti­scher Herr­schaft ste­hen­den nörd­li­chen Tan­sa­nia beglei­tet. Einen beson­de­ren Schwer­punkt leg­te Maju­ra auf die anti­ko­lo­nia­len Wider­stands­be­we­gun­gen und den von den deut­schen „Schutz­trup­pen“ nie­der­ge­schla­ge­nen Maji-Maji-Auf­stand zwi­schen 1905 und 1907, bei dem etwa 200.000 bis 300.000 Tan­sa­nier getö­tet wurden.

Im Rah­men sei­ner Dok­tor­ar­beit forsch­te Maju­ra in den 1970er Jah­ren im süd­li­chen Tan­sa­nia zur Geschich­te und den Fol­gen die­ses Auf­stands und brach­te für sei­nen Vor­trag an der Elly-Heuss-Schu­le per­sön­li­che Gegen­stän­de aus die­sen Gebie­ten mit. 

Beson­ders der Kon­trast zwi­schen den geschil­der­ten Lebens- und Schul­rea­li­tä­ten in Maju­ras Kind­heit und denen unse­rer Elly-Schü­le­rin­nen und ‑schü­ler war ein­drück­lich. Ein 25-Kilo­me­ter-Schul­weg, der zwei­mal am Tag zu Fuß bewäl­tigt wer­den muss­te, sowie der von Gewalt und Ernied­ri­gung durch Lehr­kräf­te gepräg­te Schul­all­tag waren nur eini­ge der per­sön­li­chen Ein­bli­cke, die die Q2-Kurs­mit­glie­der erhielten.

Die Fra­ge nach dem heu­ti­gen indi­vi­du­el­len wie poli­ti­schen Umgang mit dem kolo­nia­len Erbe zwi­schen Deutsch­land und Tan­sa­nia erör­ter­te Maju­ra im Anschluss an den Vor­trag mit eini­gen Kurs­mit­glie­dern – eine span­nen­de und hoch­ak­tu­el­le Dis­kus­si­on, die auch auf­grund fort­schrei­ten­der Auf­ar­bei­tung der Kolo­ni­al­ge­schich­te immer mehr Beach­tung findet.

Bericht: Jonas Wortmann