Die Macht der Karten — Weltbilder dekonstruieren
- 10. Februar 2026
Im Rahmen des Geschichtsunterrichts bei Frau Sokol besuchte die Eb am vergangenen Donnerstag das Weltkulturen Museum in Frankfurt. Die Exkursion stand im Zusammenhang mit unserer aktuellen kritischen Auseinandersetzung mit den Anfängen europäischer Kolonialisierung in der Frühen Neuzeit und der sogenannten „Entdeckung“ Amerikas, ein Begriff, der für uns inzwischen weniger nach Pioniergeist klingt als nach Perspektivfrage. Im Workshop „Macht der Karten“ beschäftigten wir uns mit Weltkarten aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten. Schnell wurde deutlich, dass Karten keine neutralen Abbilder der Welt sind. Sie zeigen nicht einfach nur Räume, sie ordnen sie. Sie vergrößern, verkleinern, rücken ins Zentrum oder an den Rand. Wer Karten zeichnet, entwirft immer auch ein Weltbild.
Besonders irritierend waren die uns vertrauten Karten: Europa überdimensional, andere Kontinente geschrumpft. Plötzlich war sichtbar, dass Karten nie neutral sind, dass sie Weltbilder transportieren und oft die Interessen derer widerspiegeln, die sie zeichnen. Selbst scheinbar sachliche Darstellungen tragen politische Aussagen, und das wurde im Workshop immer wieder spürbar.
Neben der kritischen Analyse entwarfen wir auch eigene Karten. Orte, die für uns Bedeutung haben, Wege, die uns verbinden, Räume voller Erinnerungen. Die Arbeit daran war nicht nur zeichnerisch spannend, sondern wurde zum Anlass für Gespräche. Plötzlich ging es nicht mehr um abstrakte Räume, Grenzen oder Kolonialmacht, sondern um persönliche Geschichten, um Zugehörigkeit, um das, was uns prägt. Geschichte wurde dadurch greifbar, lebendig und persönlich.
Der Tag in Frankfurt hat gezeigt, dass Karten mehr sind als Orientierungshilfen: Sie sind Werkzeuge, Geschichten und Perspektiven. Und die Frage, wer den Stift hält, bleibt politisch.
Text: Sophia Blanka Sokol



